The World is yours – Bauchentscheidungen

14 Kommentare

Vor drei Wochen hatte ich aus dem Bauch heraus entschieden, zu kündigen. Es war spät Abends und ich hatte gerade ein Angebot für einen Kunden rausgeschickt. Wenige Tage vorher sagte mir einer meiner Chefs, ich müße mich entscheiden, was ich für die Zukunft will. Und das definitiv nicht. Ich möchte nicht 8 Stunde im Büro arbeiten, Abends für eigene Kunden arbeiten (kann nie genug kriegen) und dann noch den Kopf frei haben, an eigenen Projekte zu arbeiten (Ich krieg nie genug Arbeit). Es reicht. Kurzerhand hatte ich beschlossen zu kündigen, den Kopf frei für eigenen Projekte zu kriegen und im Oktober dann nach Australien zu gehen (wenn der Sommer kommt). Zunächst wollte ich es vom Geld und der eigenen Auftragslage abhängig machen, aber ich hab mich dann dagegen entschlossen und einfach gekündigt. Ich habe keinen neuen Job, ich wollte auch keinen neuen Job, es gab reichlich Jobs als Freelancer und Festangestellter, aber die Zeit ist vorbei. Genau genommen war ich gerade mal fünf Monate Festangestellter und ich habe festgestellt, ich bin wahrscheinlich der schwierigste Mitarbeiter den man sich vorstellen kann – immer Sonderwünsche. Ich wollte endlich an eigenen Projekten arbeiten, ob sie mein Leben finanzieren oder nicht.

Ich war seit Mai 2010 bei think moto, hab dort meine Bachelorarbeit über “Interaktive Magazinformate auf dem iPad” geschrieben und wurde danach direkt übernommen – ebenfalls eine Bauchentscheidung. Weitere Bauchentscheidungen, die mein Leben positiv verändert haben:

  • In einer Kleinstadt am Bodensee studieren: Ich wollte immer an der HAW Hamburg Kommunikations Design studieren, in der schönsten Stadt der Welt bleiben, bis ich eines Tages im Bett lag und beschlossen hatte: Ich gehe wo anders hin. Ich bin noch mal aufgestanden und hatte alle Fachhochschulen/Universitäten abgeklappert. In welcher Stadt sind die Fhs/Unis, wie sieht die Webseite aus, wie ist die Beschreibung und wann ist Bewerbung. Für mich ein wichtiges Kriterium: Es muß am Wasser liegen. Durch verschiedene Filter gesetzt, gab es nur noch Kiel und Konstanz zur Auswahl. Ich bin auf www.konstanz.de gegangen, hab die Bilder gesehen und entschieden, mich dort zu bewerben (Ich dachte u.a. es wäre in der Nähe von Passau, weil…) Ich hatte zwei Wochen Zeit für die Mappe (Danke, an meine Mappenlehrerin Judith Riemeier). Ich wurde eingeladen und angenommen – Studieren wo andere Urlaub machen. Es war eine tolle Zeit. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob ich wirklich studiert habe, ob ich es nicht eher als “Urlaub” gesehen hatte…es war eine tolle Zeit! Learning? Kostet es Geld?Ja, aber nicht die Welt! Kein Grund, nicht die Stadt zu verlassen. Schließlich gibt es auch Bafög!
  • Ab ins Ausland: Ich habe seit meiner Schulzeit immer nebenher als “Designer” gearbeitet, um früh Erfahrung zu sammeln, aber mir fehlte noch Auslandserfahrung im Lebenslauf – ich hatte bis dato in Englisch immer eine 4- oder eine 5!Zunächst wollte ich ein Praktikum machen, aber mir war das dann irgendwie zu stressig, hab deswegen ein Urlaubssemester eingereicht, ein Work&Travel Visum beantragt und einen Flug gebucht. Zwei Monate später war ich dann in Australien. Ich bin fast ein Jahr geblieben, bis die nächste Bauchentscheidung kam…Learning: Keine angst vor der Sprache oder Kultur haben. Ich wußte erst paar Tage vorm Flug, wie weit Australien überhaupt ist. Ich wußte nicht, dass es dort auch mal “kalt” ist, aber who cares? Ich habe wirklich NICHTS geplant und das brauchst du auch nicht.
  • Einen Mentor finden: Als ich an der HTWG Konstanz studiert hatte, hatten wir den Gast Dozenten Marco Spies an unserer Hochschule. Ich habe in der Zeit Blut geleckt und gesehen, was mir noch alles an Erfahrung und Wissen fehlte – ich wollte mehr. Als ich letztes Jahr Februar gesehen hatte, dass Marco Spies seine eigene Agentur “neo moto” mit seiner Partnerin Katja Wenger aufgemacht hatte, wußte ich, da muß ich hin. Niemals wird es einfacher sein, mit so guten Leuten so nah zu arbeiten und möglichst viel mitzunehmen. Deswegen bin ich kurzerhand von Australien direkt nach Berlin gegangen und habe dort meine Bachelorarbeit geschrieben. Bei neo moto, mittlerweile think moto, hatte ich eine tolle Zeit gehabt. Ich hatte das Glück, sowohl im Design bei Katja als auch in der Strategie/Konzeption bei Marco viel zu lernen. Ich werde viel an die Zeit denken. Ich hab noch viel zu lernen, aber es war Zeit für die nächste Bauchentscheidung…Learning:  Finde Leute, mit denen du beruflich und vor allem auch zwischenmenschlich weiterkommst. Wichtiger als jedes Gehalt. Learning und Spaß sind unbezahlbar. Gehe weiter, wenn es am besten ist und nicht, wenn es scheiße ist!

Wo waren wir stehen geblieben? Genau, ich hatte meinen ersten und letzten Job als Festangestellter gekündigt. Mich hats immer geärgert, dass man Tagsüber nie Zeit für andere Dinge hatte und wenn man andere Dinge gemacht hatte, hatte man gleich ein schlechtes Gewissen. Deswegen habe ich Vollzeit Freelancer immer beneidet. Wie auch immer, zwei Wochen nach meiner Kündigung gab es gleich die nächste Bauchentscheidung: Ich gehe nach New York. Ich habe zufällig einen spannenden Kontakt in Berlin gemacht. Er meinte, ich sollte für ein paar Monate nach New York kommen und mit ihm an Projekten arbeiten. Einen Tag später hatte ich den Flug nach New York gebucht. Jetzt arbeiten wir schon an den ersten Projekten zusammen. Nächste Woche gehts los, morgen ist mein letzter Arbeitstag, dann für drei Wochen in New York und danach nach Australien – für unbestimmte Zeit.

War das so schwer? Nein, diese Entscheidungen kann und sollte jeder machen. Selbst wenn diese Entscheidungen in die Hose gehen: Good Experience. Ja, ich habe sicherlich oft mehr “Glück” als Verstand gehabt, aber ich wäre nicht glücklich, wenn ich das Glück nicht wenigstens mal herausgefordert hätte. Mache niemals die Entscheidungen von etwas abhängig, mache sie niemals von Geld abhängig, notfalls kannst du immer noch zurück zu den Eltern und Hartz4 gibt es auch noch. Ich handel oft schneller als ich denken kann, das kann mal gut und mal schlecht sein.  Aber so treffe ich auch irrationale Entscheidungen, habe nicht die Zukunftsängste und denke mir stets: Es wird schon irgendwie gehen. It always does.

Die letzte Entscheidung war für mich sehr wichtig, endlich den eigenen Weg zu gehen: Ich will nicht mehr für Stunden oder Tage bezahlt werden, ich will eigenes schaffen,Produkte/Services, die die Welt ein Stück verändern und die mein Leben zu dem machen, was es ist: Ein erfülltes. Ich hoffe, ich kann mehr Leute ermutigen, Dinge zu tun, die Ihnen wichtig sind. Dinge zu machen, die einen Glücklich machen. Nicht darüber nachzudenken. Die Augen offen halten. Chancen sehen und wahrnehmen. In diesem Sinne:

Sometimes you have to swim, before you know how far the other riverside is.

PS.: Setzt Euch Ziele, kurzfristige, mittelfristige und langfristige. Sie müßen nicht absolut sein, aber Richtungen festlegen!Dann fallen Euch Entscheidungen auch einfacher.

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  • http://twitter.com/_jrg Joerg Leupold

    viel erfolg und alles gute ;-)

  • http://twitter.com/_jrg Joerg Leupold

    viel erfolg und alles gute ;-)

  • Sebastian Diemer Mobile

    sehr geil

  • Anastasia Gramatchikova

    maaaaaannn… hast Du recht! bitte “Entscheidung-Training mit mir machen before Du weg bist…

  • Alex

    Take Care! Viel Glück auf allen weiteren Pfaden.
    Der Büronachbar Alex (sounds good!! :-))

  • Axel der Autoschieber

    Cooler post. Wuerde gerne mal einen trip nach australien machen und einen publisher freund besuchen. Kommst du mit?

    Axel
    Http://www.autoschieber.net

  • Alexej

    Perfekt. Genau so habe ich es auch gemacht. Am 15. dieses Monats habe ich meinen “Letzten”. Festes Ziel ist es, nie wieder in einem Angestelltenverhältnis zu “landen” und nur noch die Dinge zu machen, auf die ich Lust habe, die ich kann, mit denen ich was bewegen kann.

    Alles beste Dir auf Deinem weiteren Weg und genieße Dein Leben.

  • http://www.borahm.de/ borahm

    ich werde ab Oktober Melbourne sein, melde dich, wenn da bist :) 

  • http://www.borahm.de/ borahm

    ach super, was war die Motivation? Aus welchem Beruf?

  • http://twitter.com/saschamt Sascha M. Trinkaus

    Borahm, saubere Entscheidung. Wünsche Dir alles Gute für die nächste Zeit.

  • Dennis

    Super. Viel Erfolg und vor allem Spaß. Take Care.

  • Kathrin

    wow, jetzt hab ich dir grad gemailt, aber weiß jetzt bescheid. wow, borahm, echt klasse. glückwunsch zu deinen bauchentscheidungen und alles gute für ny und australien!
     

  • Alexej

    Mein letzter Beruf war SEO, jedoch habe ich im Laufe meines Lebens vieles gemacht, womit wir zu einem meiner Beweggründe kommen. Ich passe nicht in die “corporate world” – stets deplatziert und verliere, nachdem ich einen Bereich für mich erforscht und ergründet habe, schnell das Interesse und die Motivation. Es stellen sich dann die typischen Routinen der “cubicle world” Menschen ein – ich prokrastiniere, werde ineffizient, langweile mich, werde unzufrieden und frustriert, Entscheidungsprozesse- und Ketten sind mir zu lang und schwerfällig, ich kann mich nicht entfalten und verwirklichen. Jetzt wo ich auf eigenen Beinen stehe, wache ich von allein auf, weil ich Spaß habe, an dem was ich tue, ich bin motiviert, voller Tatendrang und mache gern was ich mache. Ich kann selbst entscheiden wann ich es mache, wo ich es mache, warum und wie ich es mache und wie lange es dauern darf. Die Aussagen einiger Forschungsergebnisse, man sei als Selbständiger (oder eben jemand, der tut was er liebt) bis zu 700 x effizienter und smarter beim Abarbeiten seiner Tasks, stimmt wohl voll und ganz. Gefühlt zumindest. Einfach ein gutes Gefühl, das alles. Und bald geht es auf Reisen – mehr oder minder mit der Arbeit im Backpack. 

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