
Vor drei Wochen hatte ich aus dem Bauch heraus entschieden, zu kündigen. Es war spät Abends und ich hatte gerade ein Angebot für einen Kunden rausgeschickt. Wenige Tage vorher sagte mir einer meiner Chefs, ich müße mich entscheiden, was ich für die Zukunft will. Und das definitiv nicht. Ich möchte nicht 8 Stunde im Büro arbeiten, Abends für eigene Kunden arbeiten (kann nie genug kriegen) und dann noch den Kopf frei haben, an eigenen Projekte zu arbeiten (Ich krieg nie genug Arbeit). Es reicht. Kurzerhand hatte ich beschlossen zu kündigen, den Kopf frei für eigenen Projekte zu kriegen und im Oktober dann nach Australien zu gehen (wenn der Sommer kommt). Zunächst wollte ich es vom Geld und der eigenen Auftragslage abhängig machen, aber ich hab mich dann dagegen entschlossen und einfach gekündigt. Ich habe keinen neuen Job, ich wollte auch keinen neuen Job, es gab reichlich Jobs als Freelancer und Festangestellter, aber die Zeit ist vorbei. Genau genommen war ich gerade mal fünf Monate Festangestellter und ich habe festgestellt, ich bin wahrscheinlich der schwierigste Mitarbeiter den man sich vorstellen kann – immer Sonderwünsche. Ich wollte endlich an eigenen Projekten arbeiten, ob sie mein Leben finanzieren oder nicht.
Ich war seit Mai 2010 bei think moto, hab dort meine Bachelorarbeit über “Interaktive Magazinformate auf dem iPad” geschrieben und wurde danach direkt übernommen – ebenfalls eine Bauchentscheidung. Weitere Bauchentscheidungen, die mein Leben positiv verändert haben:
- In einer Kleinstadt am Bodensee studieren: Ich wollte immer an der HAW Hamburg Kommunikations Design studieren, in der schönsten Stadt der Welt bleiben, bis ich eines Tages im Bett lag und beschlossen hatte: Ich gehe wo anders hin. Ich bin noch mal aufgestanden und hatte alle Fachhochschulen/Universitäten abgeklappert. In welcher Stadt sind die Fhs/Unis, wie sieht die Webseite aus, wie ist die Beschreibung und wann ist Bewerbung. Für mich ein wichtiges Kriterium: Es muß am Wasser liegen. Durch verschiedene Filter gesetzt, gab es nur noch Kiel und Konstanz zur Auswahl. Ich bin auf www.konstanz.de gegangen, hab die Bilder gesehen und entschieden, mich dort zu bewerben (Ich dachte u.a. es wäre in der Nähe von Passau, weil…) Ich hatte zwei Wochen Zeit für die Mappe (Danke, an meine Mappenlehrerin Judith Riemeier). Ich wurde eingeladen und angenommen – Studieren wo andere Urlaub machen. Es war eine tolle Zeit. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob ich wirklich studiert habe, ob ich es nicht eher als “Urlaub” gesehen hatte…es war eine tolle Zeit! Learning? Kostet es Geld?Ja, aber nicht die Welt! Kein Grund, nicht die Stadt zu verlassen. Schließlich gibt es auch Bafög!
- Ab ins Ausland: Ich habe seit meiner Schulzeit immer nebenher als “Designer” gearbeitet, um früh Erfahrung zu sammeln, aber mir fehlte noch Auslandserfahrung im Lebenslauf – ich hatte bis dato in Englisch immer eine 4- oder eine 5!Zunächst wollte ich ein Praktikum machen, aber mir war das dann irgendwie zu stressig, hab deswegen ein Urlaubssemester eingereicht, ein Work&Travel Visum beantragt und einen Flug gebucht. Zwei Monate später war ich dann in Australien. Ich bin fast ein Jahr geblieben, bis die nächste Bauchentscheidung kam…Learning: Keine angst vor der Sprache oder Kultur haben. Ich wußte erst paar Tage vorm Flug, wie weit Australien überhaupt ist. Ich wußte nicht, dass es dort auch mal “kalt” ist, aber who cares? Ich habe wirklich NICHTS geplant und das brauchst du auch nicht.
- Einen Mentor finden: Als ich an der HTWG Konstanz studiert hatte, hatten wir den Gast Dozenten Marco Spies an unserer Hochschule. Ich habe in der Zeit Blut geleckt und gesehen, was mir noch alles an Erfahrung und Wissen fehlte – ich wollte mehr. Als ich letztes Jahr Februar gesehen hatte, dass Marco Spies seine eigene Agentur “neo moto” mit seiner Partnerin Katja Wenger aufgemacht hatte, wußte ich, da muß ich hin. Niemals wird es einfacher sein, mit so guten Leuten so nah zu arbeiten und möglichst viel mitzunehmen. Deswegen bin ich kurzerhand von Australien direkt nach Berlin gegangen und habe dort meine Bachelorarbeit geschrieben. Bei neo moto, mittlerweile think moto, hatte ich eine tolle Zeit gehabt. Ich hatte das Glück, sowohl im Design bei Katja als auch in der Strategie/Konzeption bei Marco viel zu lernen. Ich werde viel an die Zeit denken. Ich hab noch viel zu lernen, aber es war Zeit für die nächste Bauchentscheidung…Learning: Finde Leute, mit denen du beruflich und vor allem auch zwischenmenschlich weiterkommst. Wichtiger als jedes Gehalt. Learning und Spaß sind unbezahlbar. Gehe weiter, wenn es am besten ist und nicht, wenn es scheiße ist!
Wo waren wir stehen geblieben? Genau, ich hatte meinen ersten und letzten Job als Festangestellter gekündigt. Mich hats immer geärgert, dass man Tagsüber nie Zeit für andere Dinge hatte und wenn man andere Dinge gemacht hatte, hatte man gleich ein schlechtes Gewissen. Deswegen habe ich Vollzeit Freelancer immer beneidet. Wie auch immer, zwei Wochen nach meiner Kündigung gab es gleich die nächste Bauchentscheidung: Ich gehe nach New York. Ich habe zufällig einen spannenden Kontakt in Berlin gemacht. Er meinte, ich sollte für ein paar Monate nach New York kommen und mit ihm an Projekten arbeiten. Einen Tag später hatte ich den Flug nach New York gebucht. Jetzt arbeiten wir schon an den ersten Projekten zusammen. Nächste Woche gehts los, morgen ist mein letzter Arbeitstag, dann für drei Wochen in New York und danach nach Australien – für unbestimmte Zeit.
War das so schwer? Nein, diese Entscheidungen kann und sollte jeder machen. Selbst wenn diese Entscheidungen in die Hose gehen: Good Experience. Ja, ich habe sicherlich oft mehr “Glück” als Verstand gehabt, aber ich wäre nicht glücklich, wenn ich das Glück nicht wenigstens mal herausgefordert hätte. Mache niemals die Entscheidungen von etwas abhängig, mache sie niemals von Geld abhängig, notfalls kannst du immer noch zurück zu den Eltern und Hartz4 gibt es auch noch. Ich handel oft schneller als ich denken kann, das kann mal gut und mal schlecht sein. Aber so treffe ich auch irrationale Entscheidungen, habe nicht die Zukunftsängste und denke mir stets: Es wird schon irgendwie gehen. It always does.
Die letzte Entscheidung war für mich sehr wichtig, endlich den eigenen Weg zu gehen: Ich will nicht mehr für Stunden oder Tage bezahlt werden, ich will eigenes schaffen,Produkte/Services, die die Welt ein Stück verändern und die mein Leben zu dem machen, was es ist: Ein erfülltes. Ich hoffe, ich kann mehr Leute ermutigen, Dinge zu tun, die Ihnen wichtig sind. Dinge zu machen, die einen Glücklich machen. Nicht darüber nachzudenken. Die Augen offen halten. Chancen sehen und wahrnehmen. In diesem Sinne:
Sometimes you have to swim, before you know how far the other riverside is.
PS.: Setzt Euch Ziele, kurzfristige, mittelfristige und langfristige. Sie müßen nicht absolut sein, aber Richtungen festlegen!Dann fallen Euch Entscheidungen auch einfacher.
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