
Am letzten Mittwoch war Peter Waibel von “Jung von Matt Neckar” an unserer HTWG Konstanz. Er war der erste Referent im Rahmen der Vortragsreihe ”WEGE ZUM ERFOLG – ES KÖNNTE SO ODER AUCH ANDERS SEIN”. Er wurde aus dem Berufsfeld “Werbung” eingeladen und sprach in erster Linie über seine Agentur, die Arbeiten und warum wir zu JvM kommen sollten – oder in die Werbung.
Die Termine im Überblick:
- Peter Waibel (Geschäftsführer), Jung von Matt Neckar GmbH, Stuttgart – Werbeagentur, 29. April
- Prof. Thomas Hundt (Inhaber), jangled nerves, Stuttgart – Medien und Raum, 13. Mai
- Jan Wilker (Mitinhaber), karlssonwilker inc., NYC – Designagentur, 20. Mai
- Marco Spies (Executive Director), Peter Schmidt Group, Frankfurt – Interactive Design, 10. Juni
- Philippa Walz (Inhaberin), Atelier für Buchgestaltung, Stuttgart, 24. Juni
Er fing mit einem unterhaltsamen Trailer über JvM an, erzählte etwas über die Agentur und nannte uns 10 Gründe, warum “Werbung scheiße ist” und 10 Gründe, wieso wir dennoch in die Werbung sollten. Das Credo der Agentur:
Gute Ideen sind wie das Trojanische Pferd.: Sie kommen attraktiv verpackt daher, so dass der Mensch sie gerne hereinlässt. Erst dann entlarven sie ihr Ziel: Eroberung

Peter Waibel, geboren 1960, ist seit 2000 Geschäftsführer Kreation und Gesellschafter der Werbeagentur Jung von Matt Neckar. Nach seinem Studium der Werbewirtschaft an der FH Pforzheim war er seit 1986 Texter bei Young&Rubicam in Frankfurt, bevor er anschließend ebenfalls als Texter bei Heads Communication und Michael Conrad & Leo Burnett tätig war. Im Jahr 1993 gründete er dann seine eigene Agentur Jung von Matt Neckar.
Ich dachte, der muß doch bestimmt nur so ein Werbefuzzi sein, der sich am liebsten selbst feiert – was ja nicht falsch ist. Also wieso nicht die Chance nutzen, wenn man ihm so nahe kommt, auch direkt Fragen zu stellen. Deswegen habe ich mich gut vorbereitet und drei Fragen vorbereitet, um ihn zu durchlöchern, was mir nicht gelungen ist, weil er irgendwie voll nett war. Ich habe die Fragen so, oder so ähnlich an Peter Waibel gestellt:
- Herr Waibel, Jung von Matt steht unangefochten an erster Stelle im ADC Ranking. Werbe- und Designagentur des Jahres 2008! Bei der Betrachtung der Jurymitglieder stellte ich jedoch überdurschnittlich viele Vertreter aus ihrer Agentur fest??Doppelt so viele wie jeweils Ogilvy, TBWA, ddb und co! Besteht da ein Zusammenhang?
- Der Standort Necktar ist zuständig für Neue Medien in Verbindung mit klassischer Werbung. Beschrieben auch als “integrierte Kommunikation” Wie sehen sie den Hype um virales Marketing, Internet-Filme, Werbeformen über Twitter, Facebook und co? Überbewertet? Ihr Xing Profil weist nur 35 bestätigkte Kontakt auf?
- Jean-Remy von Matt stellte im neusten Spiegel bezüglich des ADC die Werbebranche an der Pranger. ”Es ist der Selbstbetrug einer Branche, die sich für etwas feiert, das eigentlich gar nicht existiert, und dabei so etwas wie Phantomfreude empfindet. Schade um die verschwendete schöpferische Energie”. Verhohnt er hier nicht jene Mitarbeiter, die viele Überstunden und Wochenenden an Goldideen sitzen? Verschwendetete schöpferische Energie?Ich zitiere hier Stefan Zschalers mit seinem offenen Brief an Jean-Remy:” Es mutet schon seltsam an, wenn einer der Begründer der Fake-Bewegung und Inhaber des größten deutschen Fake-Kraftwerkes in Deutschland die Fake-Herstellung derart an den Pranger stellt.”
Die Antworten waren ungefähr so:
- Bezüglich der Aufnahme: Jedes neues Mitglied muß von anderen Mitgliedern bestätigt werden und der Wettbewerb: In den jeweiligen Kategorien ist maximal nur einer von einer Agentur in der Jury und bei Arbeiten der eigene Agentur muß sich das Mitglied der Stimme enthalten. Man kann es immer irgendwie richtig reden und die Antwort war natürlich korrekt, aber läuft es hinter den Kulissen wirklich so? Sorry, aber ich glaube es einfach nicht. Der ADC ist der Laufsteg für die Kleider und Anzüge von JvM. Wie sei dahingestellt.
- Ein großer Fan von neuen Medien. JvM Neckar ist zwar mit starker Besetzung im Bereich neue Medien, aber immer noch eher eine klassische Werbeagentur. Bei der Präsentation zeigt er in erster Linie Filme, die für das Publikum einfacher und schneller zu verstehen sind als die “langweiligen Cases”, was ich ehrlich gesagt etwas schade fand, weil Filme kann ich mir auch bei Youtube anschauen. Die Frage bezüglich des XING Profil habe ich nicht gestellt!
- Er hat den Artikel gelesen und als Geschäftsführer natürlich politisch korrekt verhalten. Er kennt Jean-Remy als einen totalen Fan des Web 2.0 und wunderte sich über den Artikel und kann sich nicht vorstellen, dass er es so gemeint hat. Vieles kam dann auch nicht mehr heraus.
Bezüglich der Krise gehe es JvM wohl relativ gut. Es gab nur wenig bis keine Auswirkungen auf bisherigen Geschäfte von JvM. Peter Waibel hat sich als Geschäftsführer immer korrekt ausgedrückt und als die Frage kam, dass JvM als einer der Agenturen gilt, die eher mit umhumanen Arbeitszeiten in Verbindung gebracht, stellte er es natürlich als Entscheidung des Arbeitnehmers da. Natürlich dürfe der Arbeitnehmer um 17 Uhr nach Hause gehen, wenn er mit der Arbeit zu frieden ist, aber wenn er es anders befindet, dann bleibt er eben. Der Druck sei nicht von der Agentur da, sondern den stellt sich jeder selbst. Es gebe natürlich längere Arbeitszeiten, wenn der Kunde übermorgen ein Ergebnis wünscht.
Schön gesagt? Ja. Etwas mehr Ehrlichkeit hätte ich mir gewünscht. Vielleicht ist es in Stuttgart anders, aber gerade in der Kreation in Hamburg geht es anders zu. Hamburg soll aber auch als hart umkämpfte Stadt für Werbung gelten. Als ich mal eine Stadtrundfahrt in meiner Heimstadt Hamburg gemacht habe, da wurde erzählt, dass 60-70%?!? aller Medien in Deutschland in Hamburg produziert werden!!

Das Publikum hört gespannt zu
Insgesamt war es lustig, wenig kritisch (aber wieso sollte er es auch…), wenig Informatives und ich hätte mir etwas mehr Tiefe über die Arbeitsweise von JvM gewünscht, wie dort gearbeitet wird und vor allem anhand von bestimmten Kunden mehr Details. Sehr toll und vor allem weil es ernst gemeint war, die Einladung von Peter Waibel, die Agentur persönlich zu besuchen und die Mitarbeiter kennenzulernen. Ich freue mich und werde die Einladung mit vielleicht ein paar Kommilitonen in Anspruch nehmen. Ein guter Auftakt, es wurde gespannt zu gehört, viele Fragen wurden gestellt und eine tolle Stimmung.

Er und ich :)